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Der gesunde Menschenverstand und das Compliance-Handbuch

Herr Weber hält das neue Compliance-Handbuch in den Händen. Zwei Zentimeter dick, sauber gebunden, voller Verweise auf Richtlinien, Prozesse und Zuständigkeiten. Er blättert, nickt, seufzt. „Eigentlich logisch“, denkt er. Und genau damit beginnt die Geschichte vom gesunden Menschenverstand im Unternehmensalltag.

Wenn Regeln alles erklären, aber nichts verhindern

Am Montagmorgen steht Herr Weber vor einer Entscheidung, die im Handbuch so nicht vorgesehen ist. Ein langjähriger Geschäftspartner bietet eine Einladung zu einem exklusiven Wochenende an. Kein Geld, keine Rechnung, nur ein freundliches „Dankeschön für die gute Zusammenarbeit“. Formal lässt sich das irgendwo zwischen Aufmerksamkeit und Vorteil einordnen. Menschlich fühlt es sich sofort falsch an.

Der gesunde Menschenverstand meldet sich schneller als jede interne Richtlinie. Er fragt nicht nach Paragraphen, sondern nach Wirkung. Wie sieht das von außen aus. Wie würde es wirken, wenn ein Dritter davon erfährt. Und vor allem: Würde man es genauso tun, wenn es morgen in der Zeitung stünde.

Der Moment der Entscheidung

Herr Weber liest weiter im Handbuch, sucht nach Grenzwerten, Freigaben, Zuständigkeiten. Doch die Entscheidung fällt nicht auf Seite 87. Sie fällt in seinem Kopf. Er lehnt freundlich ab. Nicht aus Angst vor Sanktionen, sondern aus dem Bewusstsein heraus, dass Compliance mehr ist als Regelbefolgung. Es ist Haltung.

Genau hier zeigt sich der wahre Zweck von Compliance. Sie soll nicht jedes Verhalten vorschreiben, sondern Orientierung geben. Der gesunde Menschenverstand ist dabei kein Gegensatz, sondern das Fundament.

Warum Compliance ohne gesunden Menschenverstand scheitert

Regelwerke können komplexe Sachverhalte strukturieren. Sie können Risiken beschreiben und Prozesse definieren. Was sie nicht können, ist jede denkbare Alltagssituation vorhersehen. Wer sich ausschließlich hinter Vorschriften versteckt, riskiert Fehlentscheidungen im Grenzbereich.

Der gesunde Menschenverstand schließt diese Lücke. Er erkennt, wann eine Handlung zwar formal zulässig, aber inhaltlich problematisch ist. Er fragt nicht nur, ob etwas erlaubt ist, sondern ob es richtig ist.

Vertrauen entsteht nicht durch Paragraphen

In der Rückschau erkennt Herr Weber, dass seine Entscheidung mehr bewirkt hat als bloße Regelkonformität. Sie stärkt seine Glaubwürdigkeit. Bei Kollegen, bei Vorgesetzten und nicht zuletzt bei sich selbst. Compliance lebt von Vertrauen, und Vertrauen entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, auch ohne ausdrückliche Anweisung.

Der gesunde Menschenverstand ist kein weicher Faktor, sondern ein zentraler Bestandteil wirksamer Compliance. Regelwerke geben den Rahmen vor, doch erst verantwortungsbewusstes Handeln füllt ihn mit Leben. Unternehmen, die beides verbinden, schaffen nicht nur Rechtssicherheit, sondern auch eine belastbare Unternehmenskultur.

Und Herr Weber? Er schlägt das Compliance-Handbuch zu. Nicht, weil er es nicht mehr braucht, sondern weil er weiß, dass es nur dann wirkt, wenn man es mit klarem Kopf und gesundem Menschenverstand anwendet.

Der gesunde Menschenverstand und das Compliance-Handbuch

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